Traumhaus des Monats: Hamburg - Harvestehude
Besuch in einer anderen Zeit
13 Zimmer, drei Etagen, 370 Quadratmeter. Hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich eine Immobilie, wie es sie – auch in Hamburg – eigentlich gar nicht mehr gibt
von Johannes Bohmann
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Mario Adorf, Hardy Krüger, Inge Meysel, Fritz Wepper, Uschi Glas … Die Liste derer, die in diesem Haus ein- und ausgingen, liest sich wie ein Auszug aus dem Who’s who der deutschen Film- und Fernsehprominenz. Vor allem Dieter Wedel, der Regisseur, ist daran schuld: Für mehrere seiner zuverlässig straßenfegertauglichen TV-Mehrteiler wählte er die einzigartigen Räume dieser Villa als Drehort aus. Diverse Art-Direktoren bekannter Hochglanzmagazine taten es ihm nach: Verona Pooth zum Beispiel durfte sich nach der Geburt ihres Sohnes auf dem goldgerahmten Louis-Seize-Himmelbett in einem der Schlafgemächer des Hauses für ein Shooting inszenieren. Und erst kürzlich war ein italienisches Edelmagazin im Haus, das die erlesene Kulisse für eine Märchen-Fotostory nutzte.
Den Grund für solchen Medienruhm spürt man, wenn man den ersten Schritt über die Schwelle getan hat: Solche Häuser, ach was, Residenzen, gibt es eigentlich gar nicht mehr. Eher unscheinbar zwar steht das Gebäude, grau gestrichen, in einer Villenstraße im feinen Harvestehude, einen Steinwurf von der Alster
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entfernt also. Doch drinnen wird jeder, der es betritt,
vom Atem der Geschichte überwältigt: 1902 wurde die Villa gebaut – und
bis auf die später hinzugefügte Garage hat sich kaum ein Jota an ihr
geändert. Die Schachbrettfliesen im Souterrain: 1902. Die Sprossenfenster, durch die eine ausnahmsweise einmal kräftige Hamburger Wintersonne die Salons beleuchtet: 1902. Die Profilleisten an allen Wänden, mal barock geschwungen, mal symmetrisch streng: 1902. Die gusseisernen, von Rankenornamenten überzogenen Heizkörper auf „Löwenfüßen“: 1902. Die Beschläge an den Schiebetüren im fast fünf Meter hohen, von einer gewölbten Stuckdecke überkuppelten großen Salon: 1902. Selbst einige Lichtschalter, noch aus Porzellan, sind aus jener Epoche. Und noch älter ist vieles von dem, was die heutigen Besitzer hinzugefügt haben: Kamine (insgesamt gibt es vier im Haus!) aus dem Empire, französische und englische Möbel, schwere Kristallleuchter, wertvolle Gemälde, alte Bücher – unverkennbar wohnt hier ein begeisterter Liebhaber von Antiquitäten.
Wir sind also, während wir dieses staunenswerte Haus begehen, zu Besuch in einer anderen Zeit. Beim Tee am knisternden Kamin notieren wir die nüchternen Daten: 370 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Etagen hat die Villa, dazu ein Souterrain mit weiteren 90 Quadratmetern Nutzfläche. Insgesamt 13 Zimmer gibt es, außerdem einen verglasten Wintergarten – der perfekte Platz für ein formvollendetes Sonntagsfrühstück. Und 524 Quadratmeter misst das Grundstück; im Garten leuchten – es ist Februar! – rote Äpfel an den Bäumen.
Veröffentlicht am Donnerstag, 22.Mai 2008 um 13:52 Uhr
Hamburg
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