Deutschland: Umnutzung
Umgenutzt statt ungenutzt
Wie sich ein Koblenzer Unternehmer den Traum vom Wohnen in einem ehemaligen Bahnhof erfüllte - und weitere Beispiele für eine gelungene Zweckentfremdung
von Dirc Kalweit
„Damals, 1998, wohnten wir mit unseren beiden Kindern auf dem Firmengelände ganz in der Nähe“, erinnert sich Bocklet. Das war praktisch, aber nicht unbedingt schön. Dass der Bahnhof das neue Zuhause der Familie wurde, war ein glücklicher Zufall. Bocklet: „Wir hatten uns auf diverse Chiffre-Anzeigen in der Zeitung beworben, und eine davon entpuppte sich ausgerechnet als Verkaufsangebot für den Bahnhof.“ Innerhalb einer Woche war die Entscheidung gefallen und die ungewöhnliche Immobilie gekauft.
Das war der leichteste Teil des Unternehmens Umnutzung. Dann begann die Phase der Vorplanung, und da zeigten sich die ersten Tücken. „Es gab schlicht keine Bauunterlagen zu dem Bahnhof“, stellt Bocklet rückblickend fest. „Die Bahn hatte seinerzeit gar keinen Bauantrag bei der Stadt Koblenz gestellt, in den Archiven fand sich rein gar nichts.“ Seinerzeit, das war wohl um die Jahrhundertwende. Wegen der fehlenden Dokumente kann das Baujahr des Bahnhofs nur geschätzt werden: Zwischen 1898 und 1905 wird allgemein vermutet, Genaueres weiß selbst die Bahn nicht.
Auch Angaben zu Statik, Abmessungen, Größen fehlten komplett. Wer bei seinem Haus schon einmal auch nur einen Durchbruch gemacht hat, der weiß, wie wichtig diese Zahlen sind. Bocklet ließ in dieser Situation ein Aufmaß machen. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit dokumentierten zwei Studenten den damaligen Ist-Zustand des Hauses und vermaßen es vom Keller bis zum Dach. „Heute“, freut sich der Unternehmer, „habe ich die besten Unterlagen, die man sich nur wünschen kann.“
Veröffentlicht am Montag, 10.Dezember 2007 um 10:18 Uhr
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