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Deutschland für Entdecker: Lausitzer Seenland
Wasser marsch!
Aufbau Ost an der Grenze von Sachsen und Brandenburg: Hier entsteht in den nächsten Jahren Europas größtes künstliches Seengebiet
von Dirc Kalweit
Für den Trip braucht man aber glücklicherweise keinen Raumanzung, sondern nur festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung. So ausgerüstet, machen sich jedes Wochenende interessierte Besucher auf den Abstieg zum Grund des stillgelegten Tagebaus Meuro. Bis zum Jahr 1999 wurde dort noch Braunkohle abgebaut, nun sieht es tatsächlich ein wenig so aus wie auf dem Roten Planeten: zerklüftetes, zerrissenes Gelände, 70 Meter tief, drei Kilometer breit und fünf Kilometer lang, teils terrassenförmig abgestuft, teils mit plötzlichen Abbruchkanten versehen. Wer hier entlangspaziert, ist privilegiert, denn ringsherum warnen Schilder eindringlich vor dem Betreten des Geländes abseits der angelegten Wege.
Doch die Mars-Touren sind bald nur noch Vergangenheit. Ende des Jahres wird das riesige Loch geflutet, und bis 2018 entsteht dann das letzte Gewässer innerhalb des Lausitzer Seenlandes, der Ilsesee. "Nageln Sie uns aber bitte nicht auf einen ganz konkreten Zeitpunkt fest", so Rainer Müller, Pressesprecher der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land (IBA, siehe auch Seite 92). Wie schnell sich das Tagebau-Restloch mit Wasser füllt, lässt sich nämlich nur schwer vorhersagen: Die Schneeschmelze, trockene Sommer und andere Witterungsfaktoren machen die Flutung zu einer schwer kalkulierbaren Angelegenheit. Sicher ist immerhin dies: Wenn die Zeugnisse der Industrie-Vergangenheit erst einmal komplett unter Wasser liegen, befindet sich hier die mit 14.000 Hektar (der Bodensee hat 53.600) größte künstliche Seefläche Europas.
Das Gelände wird ein Paradies für Wassersportler sein, und schon jetzt eignet es sich perfekt für Radfahrer und Skater. Über 500 Kilometer nagelneuer Radwege locken bei schönem Wetter Tausende von Touristen, allein: Wer sich unterwegs mit Kaffee und Kuchen stärken will, muss lange nach gastronomischen Angeboten suchen. "Die touristische Infrastruktur", weiß Müller, "entwickelt sich Schritt für Schritt, parallel zur Erschließung des Gebiets." Und genau die ist ganz und gar nicht einfach.
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