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Türkei

Wohnraum-Boom am Bosporus

 

Seit ein paar Jahren zählt Istanbul zu den Top-Destinationen der Welt. Inzwischen ist auch Wohnraum in der Megacity heiß begehrt

 

von Johannes Bohmann

Sind es zwölf? Oder 14 oder gar 16 Millionen Einwohner, die Istanbul hat? Niemand weiß es genau. Dass 300.000 Zuwanderer aus Anatolien sowie immer mehr Flüchtlinge aus der arabischen Welt, aus Afghanistan, aus Afrika jedes Jahr hinzukommen, schätzt der SPIEGEL. Und trotz aller Probleme, die das mit sich bringt, heißt es außerdem: Der Boom, den die türkische Wirtschaft seit gut einem Jahr erlebt, ist nicht in der Hauptstadt Ankara zu besichtigen, sondern in der alten Metropole am Bosporus.

Positiver Synergieeffekt für die Wohnraum-Nachfrage

Und das wirkt sich auch auf die Wohnraum-Nachfrage aus: Unter institutionellen Anlegern gilt Istanbul bereits als Europas Metropole Nummer eins. Die politische Stabilität, für die Premier Erdogan gesorgt hat, die dynamische Bevölkerungsentwicklung, die für eine gewaltige Nachfrage nach Wohnraum sorgt, und nicht zuletzt viele gesetzliche Erleichterungen, die ausländischen Investoren den Markteintritt geebnet haben – all das, so der Chef der Istanbuler Sotheby’s-Filiale Arman Özver, beschere seiner Stadt ein „spektakuläres Comeback“.

Unter den ausländischen Wohnraum-Käufern rangieren Europäer jedoch derzeit klar hinter Arabern, Russen, Chinesen und Amerikanern – mit Ausnahme der Briten. Das erleben die RE/MAX-Büros ebenso wie die Maklerkette Reha Medin: In einer Kooperation mit britischen Partnern, so deren CEO Tamer Çiçekçi, habe man 2010 über 350 Wohnungen an Engländer verkauft. Dagegen Deutsche? Unter ferner liefen … Noch? Sinan Kekik, der in Düsseldorf die Firma Sun and Homes betreibt, sieht wachsendes deutsches Interesse an Wohnraum in Istanbul. Es gehe nicht mehr allein um die Feriengebiete der türkischen Küsten.

Begehrter Wohnraum: Das sind die Geheimtipps

Die Frage indes, welche Art von Objekten als gewinnbringend zu empfehlen sei, ist schwer zu beantworten. Kekik hält unerschlossenes Bauland für einen Tipp: „Bei Vergabe von Baugenehmigungen vervielfacht sich der Wert schlagartig. 300 Prozent in fünf Jahren sind keine Seltenheit.“ Vorausgesetzt natürlich, die Genehmigung kommt tatsächlich. Interessant, so Çiçekçi, seien auch Studentenwohnungen zur Vermietung. Bei 27 (!) Universitäten, die Istanbul besitzt, sei der Wohnraum-Bedarf gigantisch. Und statt der Innenstadtbereiche, so alle Anbieter, solle man in Sachen Wohnraum auch die Außenbezirke in Betracht ziehen: die beiden Seen im Westen bei Büyükçekmece und Küçükçekmece etwa, wo hochwertige Villensiedlungen entstehen, die über viel Freizeitwert verfügen. Und nicht zu vergessen, das asiatische Ufer: Wer einmal hinüberfährt und in Kadiköy die Bagdad-Straße entlangbummelt, sieht, dass dort die ruhigeren, fast feineren Wohngebiete liegen.

Und Wohnraum im Zentrum? Bei der Blauen Moschee und dem Großen Basar, den jeder Tourist kennt? Von Sultanahmet, so heißt dieses Altstadtgebiet südlich des Goldenen Horns, lasse man die Finger! In der archäologischen Zone steht fast alles unter Denkmalschutz. An der anderen Seite aber, in Beyoglu, wo das Leben rund um den Taksim-Platz und die legendäre Istiklal-Straße brodelt, ist viel Bewegung. Für Bestand-Wohnraum ab 3.000, für Neubauwohnungen ab 6.000 Euro pro Quadratmeter kann man hier einsteigen. Bis hinauf zu 15.000 Euro steigen die Werte dann in den schicken Wohnraum-Lagen von Levent, Bebek oder Nisan­tası, wo Gucci, Hermès, Prada & Co. in der Abdi-Ipekçi-Straße residieren, der Istanbuler Fifth Avenue. Zu Ladenmieten ab 3.000 Euro den Quadratmeter – und damit in der teuersten Straße der Türkei.

Ein Spektrum also, wie es breiter kaum sein könnte – das Spektrum einer Megacity. Einer Metropole, in der die Preise für Wohnraum seit 2009 um 10 bis 20 Prozent pro Jahr steigen. Und man scheint sich einig, dass sie diese Richtung bis auf Weiteres beibehalten. Erstaunlich: Selbst vor der Erdbebengefahr, in der Istanbul schwebt, scheint die Angst zu schwinden. Erdogan, so heißt es, habe ja verfügt, dass alle unsicheren Bauten saniert oder abgerissen werden müssten. Dem Baufieber, das zurzeit am Bosporus grassiert, wäre es zuzutrauen.

aus Bellevue Nr. 02/2012



Der Istanbuler Wohnraum-Boom in Bildern


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Veröffentlicht am Donnerstag, 16.Februar 2012 um 15:40 Uhr

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