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Hamburg

"Hamburg braucht mehr Visionen"

 

In der Stadt der Brücken spricht man über die neue "Living Bridge". Initiator Dieter Becken über den spektakulären Bau und neue Ziele

 

Das Interview führte Sven Heinen

BELLEVUE: Wann hatten Sie erstmals die Idee mit der Brücke?


Dieter Becken: Mit dem Projekt ging es Ende der 90er Jahre los. Damals habe ich den heutigen Oberbürgermeister, Ole von Beust, in seiner Funktion als Oppositionsführer in Sachen Infrastruktur und Städtebau beraten. Wir haben gemeinsam überlegt, was man tun könnte, um den Süden Hamburgs mit Harburg, der Veddel und Wilhelmsburg näher an die Innenstadt zu binden. Da lag die Idee mit der Brücke über die Elbe auf der Hand. Im ersten Entwurf, den wir bereits mit dem Architekturbüro von Hadi Teherani entwickelt hatten, war eine reine Fußgänger- und Fahrzeugbrücke vorgesehen, die stark geschwungen und sehr futuristisch sein sollte. Danach ist die ganze Thematik politisch ein wenig eingeschlafen.

Wir haben jedoch weiter darüber nachgedacht, wie man eine Brücke bauen kann, die sich rechnet und die Stadt möglichst wenig oder sogar gar kein Geld kostet. So entstand durch Hadi Teherani die Idee von der "Living Bridge", einer Brücke, auf der auch etwas stattfindet, weil dort zum Beispiel Leute wohnen und es einen gewissen Gewerbeanteil gibt. Die Lage und der Blick von der Brücke werden in Hamburg wirklich einzigartig sein. Außerdem wird die Brücke dafür sorgen, dass man mit dem Fahrrad von der Innenstadt bis auf die andere Seite der Elbe keine zehn Minuten brauchen wird. Was glauben Sie, was für eine Aufwertung das für Wilhelmsburg und die Veddel bedeuten wird!


Was muss beim Bau verkehrstechnisch beachtet werden?


Becken: Wir haben in der Planung darauf achten müssen, dass die Brücke den Schiffsverkehr nicht beeinträchtigt. Daher muss sie an einer Stelle errichtet werden, an der keine großen Schiffe mehr fahren. Außerdem wird sie mit fast zwölf Metern Durchfahrtshöhe - das sind zwei Meter mehr als bei den Elbbrücken - dem Hochwasserschutz vollauf gerecht. Die Elbschiffe können unter ihr hindurchfahren.

In Politik und Öffentlichkeit kommt die gesamte Konstruktion bisher gut an. Im Übrigen darf man die Brücke nicht als Umgehung der Elbbrücken sehen. Sie soll eine Stadtstraße sein, alles andere würde auch eine zu große Verkehrsbelastung für die HafenCity bedeuten.


Wie gehen Sie mit der vereinzelt auftretenden Kritik um?


Becken: Die konstruktive Kritik in Sicherheitsfragen, die bisher sehr vereinzelt gekommen ist, bezog sich auf das Szenario eines außer Kontrolle geratenen Schiffs. Diese Ansätze sind verständlich und gut, aber bei der Konstruktion der Brücke wurden alle Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigt, die weltweit möglich sind.

Das Argument, die Grundstücke östlich der Brücke würden an Wert verlieren, ist hingegen nicht nachvollziehbar, weil die Bebauung dort so ist, dass keines der Stadthäuser wirklich Elbblick hat, der ihm nun verbaut würde.



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Hamburg
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