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Investment

Mein eigenes Weingut

 

So heißt einer der schönsten Immobilienträume überhaupt. Wer ihn leben möchte, braucht nicht nur Zeit und Geld, sondern auch Mut zur Kreativität

 

von Johannes Bohmann

Schlimmer konnte es nicht kommen. Am 1. Dezember, zur abendlichen Hauptsendezeit, malte die Nachrichtensprecherin des Senders TF1 der Grande Nation einen GAU an die Wand. In einem Beitrag über – schon hier erschaudert der Gallier – britischen Wein wurde ein Szenario ausgebreitet, das Liebhabern französischer Lebensart den Atem stocken ließ. Werde es beim momentanen Tempo der Klimaerwärmung bleiben, so teilte TF1 mit, dann werde man in neun Jahren auf „der Insel“ ein Klima haben wie heuer an der Loire – und 2025 wie im Bordelais. Die unvorstellbare Konsequenz: Die britischen Vettern seien dann in der Lage, an den Ufern der Themse oder den Südhängen der Sussex Downs einen Wein zu keltern wie in jenen französischen Regionen. Wenn noch eines nötig war, um die Franzosen von der Dringlichkeit des Klimaschutzes zu überzeugen, dann das. Der Zeitpunkt der Nachricht, am Vorabend der Kopenhagener Weltklimagipfels, war jedenfalls bestens gewählt.

Dass die Zukunft auf dem Spiel stehe, wie seither unheilsschwanger geraunt wird, wissen die Weinbauern zwischen Val de Loire und Minervois aber ehrlich gesagt schon länger. Und zwar nicht, weil die Pole schmelzen, sondern weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des weltweiten Weinmarkts, den die Franzosen lange nur von seiner Sonnenseite her kannten, geändert haben. Frankreichs führende Fachagentur zur Vermittlung von Weingütern, Vignobles Investissement aus Montpellier, fasste es zum Jahreswechsel folgendermaßen zusammen:  Der Markt für Massenprodukte ist seit der sich 2008 abzeichnenden Weltwirtschaftskrise so stark unter Druck, dass die Preise für die Güter, auf denen er erzeugt wird, kontinuierlich fallen. Spitzenlagen, auf denen Crus und Grand Crus produziert werden, ziehen dagegen an. Die Statistik, die diesen Befund illustriert zeigt deutlich: Die Schere zwischen Masse und Klasse geht immer weiter auseinander.

Die Preisschere bei Weinen 
  Preisschere in Frankreich
Güter für generische Weine verloren binnen vier Jahren 17 % an Wert, Spitzenlagen gewannen fast
30 % (Berechnung ausgehend vom Faktor 100 für das Jahr 1990)

Quelle: Vinea Transaction
Und das gilt nicht nur für Frankreich. Weinexperte Hendrik Thoma, der als einer von nur zwei Deutschen den Titel eines Master Sommeliers trägt, bestätigt jedenfalls: „Es ist gar nicht allein die Krise, die an allem schuld ist. Wir haben vielmehr einen Weinsee auf der Welt.“ Wer da hineinspringe, müsse schon ein gehöriges Stück Leidenschaft für die Sache mitbringen. Und vor allem müsse er sich gut überlegen, was auf ihn zukommen könne, wenn er kein klares Konzept für die Vermarktung von Wein habe. „Das ist das größte Problem: Wenn man von Vermarktung nichts versteht, sollte man es bleiben lassen – oder dafür echte Experten engagieren. Sonst wirft man sein Geld möglicherweise zum Fenster hinaus.“

Wir haben Hendrik Thoma gebeten, seine persönlichen Tipps für angehende Weinbauern zu formulieren. Eine Quintessenz daraus lautet: lieber klein und originell als groß und (vermeintlich) etabliert. Für Letzteres nämlich, so Thoma, gelte das berühmte Diktum des kalifornischen Weinpapstes Robert Mondavi „Start a big one. Everything else is just a hobby.“ Denn in den berühmten Lagen – in der Toskana, im Burgund, in Mondavis Napa Valley – seien die Grundstücke schon seit Jahren überteuert. „Wenn man da mitmachen will, muss man in der Tat nicht nur im großen Stil einsteigen, sondern auch sehr viel Zeit mitbringen.“ Ganz im Gegenteil dazu sieht Thoma die Chance viel eher im Neuen und Ungewöhnlichen. Reizvoller, finanziell überschaubarer und letzten Endes auch spannender für die Vermarktung seien neue Lagen, die noch niemand kennt.


Veröffentlicht am Dienstag, 03.August 2010 um 10:43 Uhr

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