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Die Weltkarte der Weinbaugebiete hält noch unentdeckte Perlen bereit
Die Sussex Downs? Thoma lacht. „Keine Sorge, der richtige Boden gehört auch dazu. Und der ist in England nicht wie im Burgund.“ Nein, in Deutschland zum Beispiel, wo die Bodenvoraussetzungen stimmen, gebe es durchaus noch Entdeckungen zu machen: am Mittelrhein, an der Nahe, an der Mosel, vielleicht sogar in Sachsen. Deutscher Wein habe sich in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Ruf erarbeitet – nicht nur Weißweine, auch erste Rotweine von Format werden geerntet.
Ob da der Klimawandel in die Karten spiele? „Durchaus. Wie auch in anderen Weltgegenden: In Argentinien zum Beispiel erobern Weinbauern jetzt sogar Patagonien!“ Oder in den USA die Finger Lakes: eine Seenregion im Norden des US-Bundesstaats New York unweit des Ontario-Sees und der kanadischen Grenze. Oder in Spanien Bierzo, das Anbaugebiet im Nordwesten von Kastilien-León, das Thoma zu seinen Insidertipps zählt, wie auch die benachbarten Küsten Galiciens oder die Hänge des Douro-Tals in Nordportugal. Oder in Griechenland den Amynteon-See im Norden des Landes. Oder in Südafrika das Swartland: eine halbe Stunde weiter von Kapstadt entfernt als die klassischen Winelands bei Stellenbosch und Paarl, aber mit günstigeren Grundstückspreisen. Oder …
Man könnte so weitermachen, mit dem Finger auf der Weltkarte – ein Fazit scheint allemal festzustehen: Die beiden Klimagürtel der Erde, in denen Weinanbau möglich ist – in etwa liegen sie zwischen dem 55. und 35. Breitengrad in der Nordhemisphäre und dem 25. und 45. Breitengrad auf der Südhalbkugel –, weiten sich aus. Kaum merklich zwar, aber mit vielerlei Chancen für kreative Önologen. Und Kreativität, da ist sich Thoma sicher, wird im Weinbau der Zukunft eine immer wichtigere Voraussetzung für den Erfolg sein.
Nicht zuletzt übrigens auch durch die Person, die dahinter steht. Geradezu idealtypisch illustriert das die Weinbauernkarriere von Mick Hucknall, dem Sänger der Band Simply Red. „Il Cantante“ heißt der Wein, den der Rotschopf auf Sizilien anbaut, am Nordosthang des Ätna! Acht Hektar Rebfläche umfasst sein Gut insgesamt, sechs davon auf dunklen Vulkanböden in 800 bis 1.300 Meter Höhe, zwei in tiefer gelegenem Land. Neben Bianco und Nero d’Avola baut Hucknall auch autochthone Rebsorten an, die Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio heißen – und die schon per se neugierig machen. Und nicht nur auf seine Weine, sondern mit ihnen auf seine Person neugierig zu machen, davon versteht Hucknall nun mal was. In einem Interview sagte er dazu einmal: „Die Weine sind anspruchsvoll, komplex und voller Reife. So wie meine Musik – und so wie ich.“
Überhaupt Italien! Sucht man im Internet nach Weingütern zum Kauf, so erhält man derzeit die meisten Treffer auf dem Stiefel. Schon immer hat das Land der großen, vielfältigen Kultur die „Gentleman Farmer“, die vom Lebensabend im eigenen Weinberg träumen, angezogen, vielleicht noch mehr als Frankreich. Im Chianti zum Beispiel tummeln sich Amerikaner, Briten, Skandinavier und Deutsche als Investoren – und nun, vor dem Hintergrund der Krise, sieht sich manch einer zum Verkauf veranlasst. Die Preise, so berichten die Makler, sind deshalb „verhandelbar“, mit Nachlässen von circa 20 Prozent. Auf in die Toskana also? Oder ins Piemont, wo der Barolo und der Dolcetto zu Hause sind? Oder ins Veneto, in die Maremma, nach Apulien? Möglichkeiten gibt es zuhauf – für den kreativen Umgang mit ihnen sollte man sich aber, siehe oben, gut rüsten!
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