Neu: Bellevue 1/2012
Das aktuelle BELLEVUE-Heft 01/2012

BELLEVUE
Ausgabe 1/2012

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Santa Maria de Los Andes - Zu Füßen der Anden (Foto: Santa Maria de Los Andes)

Santa Maria de Los Andes - Zu Füßen der Anden (Foto: Santa Maria de Los Andes)

Das Konzept scheint also denkbar einfach: Man nehme mit Wein, Golf, Polo und unberührter Natur die reizvollsten Aspekte des Landes und mache sie auf exklusivste Weise gut situierten Ausländern schmackhaft. So geschieht es derzeit in vielen Teilen Argentiniens, je nach Region wird der Schwerpunkt unterschiedlich gesetzt. In Mendoza spielt die Verbindung aus Wein und Immobilie die größte Rolle, in der Nähe von Buenos Aires wird eher aufs (Polo-) Pferd gesetzt, und in Patagonien drängeln sich die von prominenten Golfern à la Greg Norman oder Jack Nicklaus protegierten Plätze nebeneinander. Man parzelliere in verschiedenen Zeitabschnitten und baue vom Erlös die entsprechende Infrastruktur – so beginnen die Projekte langsam, aber sicher Gestalt anzunehmen. Und die Nachfrage scheint überall riesengroß. Denn Argentinien wuchert auch beinah ein Jahrzehnt nach der großen Wirtschaftskrise mit dem gleichen Pfund: dem schwachen Peso. Er notiert derzeit über 5:1 zum Euro. Der Traum vom eigenen Weingut, einer kleinen Hacienda mit Polopferden oder einer Mitgliedschaft in einer exklusiven Golfanlage, er wird hier schneller wahr als anderswo. Wem also schon immer der Sinn stand nach unendlicher Weite gepaart mit einem exklusiven Lebensstil, jener noch bezahlbaren Lagerfeuer- und Gauchoromantik auf Mehr-Sterne-Niveau, für die das Land bekannt ist, der ist in Argentinien bestens aufgehoben. Trotz aller Krisenanfälligkeit und logistisch aufwendiger Anreise. Dennoch, bei aller Euphorie, die riesigen Ausmaße des Landes sind vielleicht auch seine größte Hypothek. Allein der Trip von Buenos Aires nach Cafayate dauert knapp sechs Stunden.

Was aber ist nun mit diesen sogenannten Lifestyle-Projekt? Sind sie krisengefeit? Zeit, ein paar neutralere Stimmen einzufangen, die von Felix Keckeis beispielsweise. Der gebürtige Österreicher ist als Geschäftsführer von Maison Buenos Aires seit einigen Jahren vor Ort, seine Agentur ist eine der führenden Immobilienberatungen für diejenigen, die in Wohn- und Geschäftsimmobilien investieren möchten. Er meint: „Bei Projekten wie diesen habe ich eigentlich keine Bedenken. Grundsätzlich werden hier solche Projekte ja auch erst begonnen, wenn das notwendige Geld da ist, um die wesentlichen Arbeiten durchzuführen. Wie schnell dann Leute tatsächlich Häuser bauen, ist schwer vorhersehbar – für das Projekt selbst aber nicht so wichtig.“


Paul Reynolds von der Reynolds Real Estate, der sich mit den Idiosynkrasien des argentinischen Marktes auskennt wie kaum ein zweiter, sieht das ähnlich. „Jede Gated Community ist dieser Tage eigentlich ein vernünftiges Investment.“ Dass der Markt sich insgesamt abgekühlt hat, darüber sind sich beide Experten einig. „Im Vergleich zum Vorjahr ist es viel ruhiger geworden. Der Abschluss von escrituras, also Kaufverträgen, ist im ersten Quartal 2009 verglichen mit dem Vorjahr um ein Drittel zurückgegangen“, erklärt Keckeis die jüngsten Entwicklungen. Reynolds fügt erklärend hinzu, dass noch „die Preise auf einem hohen Niveau stabil sind, weil zwischen Angebot und Nachfrage derzeit eine hohe Diskrepanz besteht – die Leute stehen unter keinem allzu hohen Druck zu veräußern, weil die wenigsten Immobilienkäufe der Einheimischen kreditfinanziert sind.“ Verschärft sich allerdings der wirtschaftliche Abschwung in den kommenden vier bis sechs Monaten, dann könnte sich so mancher gezwungen sehen, bei fallenden Preisen zu verkaufen.



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