
Marktsituation: Bei Zweitwohnsitzen und Luxusobjekten gab es bis ins Jahr 2007 hinein Preissteigerungen im zweistelligen Bereich. Zu einem deutlichen Einbruch bei den Verkäufen (minus 30 bis 35 Prozent) kam es nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008. Aktuell stagnieren die Verkäufe von Objekten im mittleren Segment (300.000 bis 800.000 Euro) und auf dem Sektor der Erstwohnsitze. Preisabschläge von zehn bis 30 Prozent gibt es besonders dort, wo viele spanische Eigentümer in der Nachbarschaft leben (zum Vergrößern der Karte bitte darauf klicken).
Allerdings stellt sich die Frage, wohin es mit den Preisen tatsächlich geht. Angesichts der konstanten Nachfrage ist eine schnelle Bodenbildung der Preise wahrscheinlicher als auf vergleichbaren Märkten, zumal Mallorca sich in den letzten Monaten in den verschiedenen Segmenten des Immobilienmarkts uneinheitlich präsentiert hat. So gibt es etwa bei echten Topobjekten nur selten Preisnachlässe. Das Gleiche gilt für die meisten Neubauten, insbesondere für Wohnanlagen von großen Promotoren. „Es gibt viele“, so die Maklerin Heidi Warth, „die gar nicht daran denken, mit dem Preis runterzugehen, Leute, die drei oder vier Immobilien oder ein echtes Sahnestück besitzen.“ Deutsche und Skandinavier seien ohnehin kaum gewillt, Preisabschläge von 30 oder 40 Prozent zu gewähren. Häufig seien Preisnachlässe eher auf Einzelschicksale zurückzuführen, etwa im Falle von Unternehmern, die dringend Geld bräuchten, oder bei Trennungen und Todesfällen.
Dennoch: Die Internetseiten vieler Makler auf Mallorca erinnern angesichts von durchgestrichenen Altpreisen und satten Reduzierungen an die klassische Winterschlussverkaufs-Stimmung. Gute Ziele für Schnäppchenjäger sind zurzeit die englischen Verkäufer: Für sie sind Preissenkungen von etwa 20 Prozent durchaus zu verkraften und mitunter sogar noch gewinnversprechend, wenn nämlich die kassierten Euros anschließend mit nach Großbritannien genommen werden.
Und auch spanische Verkäufer lassen oft die Preise purzeln, was die Talfahrt örtlich beschleunigt. Wenn die Preise in der Nachbarschaft fallen, sind schließlich auch andere Eigentümer dem Markt ausgeliefert. Der Makler Lutz Minkner verdeutlicht das anhand eines Beispiels: Ein deutscher Eigentümer sieht den Wert seiner Finca in Llucmajor bei 300.000 Euro. In der Nachbarschaft gibt es allerdings ganz ähnliche Fincas von spanischen Besitzern, die aufgrund ihrer Hypothekenbelastungen schnell verkaufen wollen und nur 250.000 Euro verlangen. Es ist klar, dass der Deutsche nur dann eine Chance auf einen Verkauf hat, wenn er preislich mitzieht. Die Maklerin Britt Heinz von Soleil Estates in S’Horta im Südosten hat zudem beobachtet, dass die Anbieter die Verkaufspreise mittlerweile nicht mehr sofort erhöhen, wenn jemand Interesse an einem Objekt bekundet.
So sind die Immobilienpreise laut einer Analyse von Engel & Völkers im letzten Jahr in Palma um zehn bis 20 Prozent gesunken, im Norden gar um zehn bis 30 und im Nordosten um zehn bis 25 Prozent. Auch im Südosten kann man mit Abschlägen von bis zu 30 Prozent rechnen. „In Einzelfällen“, so Bernd Katzmarcik von Kühn & Partner, „kann es sogar zu Reduzierungen um bis zu 50 Prozent kommen.“ Allerdings ist im Falle von Spitzenobjekten die Neigung, mit dem Preis herunterzugehen, prinzipiell gering. Und von diesen Objekten gibt es auf Mallorca sehr viele.
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