Mallorca-Special
Millionenspiel
Was Zweitwohnsitze und Ferienhäuser betrifft, gilt Mallorca heute als das Flaggschiff Spaniens. Und der eingeschlagene Kurs hin zu immer mehr Luxus wird trotz der Immobilienkrise gehalten. Ein Marktreport
von Gerald Paschen
Krise? Welche Krise? „Nein, hier auf Mallorca gibt es keine platzende Immobilienblase“, stellt der Makler Lutz Minkner gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Das Bauland ist knapp, die Landmenge nicht vermehrbar. Während die Immobilienbranche auf dem spanischen Festland immer tiefer in die Krise schlittert, sehen Mallorcas große Maklerbüros der Zukunft optimistisch entgegen – besonders wenn sie auch auf der Luxusschiene fahren. „Die Tendenz ist, dass 2008 ein gutes Jahr wird“, sagt zum Beispiel Heidi Stadler von First Mallorca. Dass Mallorca sich als krisenfest erweist, liegt – laut dem neuesten Marktbericht des Unternehmens Kühn & Partner – an der privilegierten Insellage und der ungebrochenen Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Liegenschaften. Um 214 Prozent sind die Immobilienpreise zwischen 1999 und 2005 gestiegen. Und auch in den Jahren 2006 und 2007 ging es durchschnittlich um 15 Prozent aufwärts. Besonders Käufer aus Russland und der Ukraine interessieren sich derzeit für die Vorzüge der Mittelmeerinsel. Aber auch reiche Deutsche und Engländer gehören immer noch zur Klientel. „High-End-Kunden“ nennt sie Daniel Chavarría von Engel & Völkers – Leute, die sich ein Superobjekt auch mal über zehn Millionen Euro kosten lassen. Solche Objekte zu vermitteln ist heute leichter als vor zwei Jahren, versichert Chavarría. Und empfiehlt den Investoren, nicht mehr wie früher auf einem 5.000-Quadratmeter-Grundstück drei bis fünf Häuser zu bauen, sondern stattdessen auf ein einziges großes Anwesen mit Personal- und Gästehaus zu setzen.
Keine Frage, das Image von Mallorca hat sich in den letzten Jahren weiter verbessert. Längst vergessen sind das „Putzfraueninsel“-Klischee aus den siebziger Jahren und auch der Begriff „17. Bundesland“ aus den Neunzigern. Ohne sich vom Massentourismus verabschiedet zu haben, präsentiert sich Mallorca heute als kosmopolitisches Zentrum für wohlhabende Immobilienbesitzer und eine zunehmende Zahl von Luxusurlaubern, die mittlerweile zwischen mehr als 20 Fünf-Sterne-Hotels wählen können. Auch mit ihrer Infrastruktur mit 23 Golfplätzen, diversen Sporthäfen und Galerien sowie einer erstklassigen Restaurantszene kann die Insel auftrumpfen. Einen besseren Standort für den Zweitwohnsitz gibt es in Europa derzeit wohl nicht. Selbst Leute, die bislang in Südfrankreich gewohnt haben, kommen nun, um Immobilien zu kaufen. „Oft spielt bei solchen Entscheidungen auch der Sicherheitsaspekt eine Rolle“, sagt Bernd Katzmarcik von Kühn & Partner. Schließlich gelten diesbezüglich auf Mallorca besondere Standards – auch weil Spaniens Staatsoberhaupt, König Juan Carlos, gern dort urlaubt.
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